19.01.10 | Berlin | weiterempfehlen >

Januar MHMK Public Lecture Berlin mit Screening

Jan Henrik Stahlberg zeigte seinen Film "Shortcut To Hollywood" (Regie gemeinsam mit Marcus Mittermaier) und sprach über „Die Manipulierbarkeit moderner Medien – die Verantwortung der Macher“.


Im Januar präsentierte Regisseur/Produzent/Schauspieler Jan Henrik Stahlberg („Muxmäuschenstill“) am Campus Berlin zur Public Lecture samt Screening seinen Film "Shortcut To Hollywood", den er gemeinsam mit Marcus Mittermeier realisierte. Der Film wurde 2009 auf der Berlinale uraufgeführt und startete am 24.09.2009 bundesweit in den Kinos. "Shortcut To Hollywood" erzählt mit satrischen Mitteln und unterhaltsam von den Mechanismen der Nachrichtenökonomie.

Stahlberg zeigte außerdem Aufnahmen der PR-Aktionen vor Filmstart, die ein bundesweites und internationales Echo auslösten. Als "Bluewater Hoax" ist die gelungene Satire auf Sensationslust der Medien und die Warholschen "5 Minuten Ruhm für jeden" in die jüngste Mediengeschichte eingegangen. Zwei Wochen vor Kinostart lancierten die Filmemacher eine gezielte Falschmeldung über ein angebliches Selbstmordattentat in der kalifornischen Stadt Bluewater, die nicht existiert. Die gefakte Meldung wurde über Blogs und gefälschte Internetseiten verbreitet und von Print-Medien, insbesondere der dpa, als seriös eingestuft und umgehend publiziert. Damit führten die Filmemacher erfolgreich die unzulänglichen Kontrollmechanismen der Medien vor. Wolfgang Büchner, stellvertretender Chefredakteur der dpa, räumte "schwere Fehler" ein und meinte: "Eine Story, die zu gut ist, um wahr zu sein, ist vermutlich genau dies: nicht wahr. Es ist absolut unplausibel, dass die dpa als einziges Medium exklusiv von einem Terroranschlag in den USA erfährt und dort nur ein lokaler TV-Sender darüber berichtet." Die Einsicht kam allerdings zu spät; da war das "Bluewater Gate" schon passiert. In den USA ist das Phänomen der durch die digitalen Medien beschleunigten Nachrichten und unter dem Druck "der erste zu sein" häufig nicht mehr überprüften Quellen schon seit den 1990er Jahren als "New News" in die Medientheorie eingegangen. Ein anregendes Thema aus der Praxis für alle angehenden Medienmacher und Journalisten.