Freitag | 17. Februar 2012
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Regierungen im Netz: Von Social-Media-Muffeln und Web 2.0-Vorreitern

Kommunikation über Facebook, Youtube oder Twitter bleibt eine große Herausforderung für Europas Regierungen, vor allem echter Bürgerdialog kommt weiterhin deutlich zu kurz. Das sind die wichtigsten Befunde einer Tagung in Berlin, auf der sich ab heute Wissenschaftler aus ganz Europa mit den Aktivitäten von Regierungen und NGOs in Web 2.0 und Social Media beschäftigen. Wie die gastgebende MHMK, Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation, in einer ersten vergleichender Studie von zehn europäischen Staaten zeigt, ist die Bereitschaft zu Transparenz und Kontroverse im Netz bei Europas Regierungen sehr unterschiedlich ausgeprägt.


Als echter Social-Media-Muffel entpuppt sich die Türkei – dort werden soziale Netzwerke quasi gar nicht zur Regierungskommunikation genutzt, lediglich Parteien sind hier im begrenzten Umfang aktiv. Als erstaunlich souveräner Web 2.0-Akteur präsentiert sich die österreichische Regierung: Anders als die meisten in der MHMK-Studie analysierten Staaten bietet Österreich auch viele Kommentar- und Uploadfunktionen an, bietet aber insgesamt nur wenig Inhalte. Am weitesten fortgeschritten beim Social Media-Einsatz von Regierungen erscheint derzeit Großbritannien.

 

„Deutschland nutzt Social Media zwar systematisch, aber trotz einiger Frageangebote und guter Weiterentwicklung in den letzten monaten bisher eher als Ein-Weg-Kanal zur Verbreitung der eigenen politischen Inhalte“, so Prof. Dr. Holger Sievert, Leiter der Studienrichtung „PR und Kommunikationsmanagement“ an der MHMK. Die für das Web 2.0 charakteristischen Kommentar- und Verlinkungsmöglichkeiten seien auf deutschen Regierungsseiten bisher nur selten freigeschaltet. 

 

Veranstalter der Tagung „Web 2.0 in Governmental and NGO Communication in Europe“ ist die European Public Relations Education and Research Association (EUPRERA), ein Verband europäischer PR-Forscher und –Praktiker (www.euprera.org). Heute und morgen diskutieren über 80 PR-Wissenschaftler aus 20 europäischen Mitgliedsländern die Möglichkeiten von Social Media für die politische Kommunikation und sprechen Empfehlungen für die Regierungen aus. Die Tagung wird eine Lücke in der Kommunikationsforschung schließen, da die gesellschaftliche Bedeutung von Social Media bislang eher im Bereich der privaten und der Unternehmenskommunikation reflektiert wurde.

 

 

Veranstaltungsorte sind neben dem MHMK-Campus Berlin das Bundeskanzleramt, das Auswärtige Amt, das Museum für Kommunikation und das Deutsche Historische Museum. Inhaltlich und finanziell unterstützt wurde die Studie vom Presse- und Informationsamt der Bundesregierung, das aber keinen Einfluss auf Studiendesign und -ergebnisse genommen hat. Weitere, ausführliche Ergebnisse der Studie sollen diesen Sommer vorgestellt werden. (imh/hsi)

 

 

Hier zum aktuellen Tagungsprogramm.

Der Verband europäischer PR-Forscher und –Praktiker EUPRERA...

hält seine Frühjahrstagung u.a. am MHMK-Campus Berlin am Mehringdamm ab.