Hilferuf des Opernquartiers
„Wir haben ungefähr täglich einen Rohrbruch“, so Dr. Ralf Hertling. Bei Betrachtung der löchrigen Leitungen ist das keine Überraschung. Das Opernquartier in Köln ist definitiv überholungsbedürftig. Davon konnte sich der Kulturpolitikkurs des 2. und 3. Journalistik-Semesters unter der Leitung von Prof. Dr. Matthias Degen mit eigenen Augen überzeugen. Dr. Ralf Hertling, Betriebsleiter und stellvertretender Geschäftsführer des Schauspielhauses, zeigte die gravierenden Mängel des alten Gebäudes und diskutierte mit den Studierenden über die politischen Schwierigkeiten einer Sanierung.
Die Probleme des Opernquartiers sind unzählig. Obwohl das Ensemble unter Denkmalschutz steht (es wurde schon 1957 eingeweiht) und eines der größten ganz Deutschlands ist, gibt es Schwierigkeiten, wohin man nur sieht: Die Klimatechnik ist unzulänglich (die Heizung kann nicht reguliert werden), Notausgänge sind zu eng, die Stuckdecke bröckelt auf das darunter sitzende Publikum nieder, wären nicht Netze vor die Deckenleuchten gespannt, die Technik ist dauerdefekt und die Künstlergarderoben erinnern an Abstellkammern. Das hat nicht mehr viel mit Opernglamour zu tun.
Viele klassische Stücke können wegen Platzmangels nicht aufgeführt werden. Der Orchestergraben ist zu klein, die Musiker müssen teilweise sogar im Publikum am Rande Platz nehmen, wodurch wiederum die Klangqualität leidet.
Auch, dass sich rund 650 Mitarbeiter von Oper und Schauspielhaus in eine Kantine quetschen müssen, die in etwa der Größe einer normalen Haushaltsküche entspricht, fördert nicht gerade die gute Stimmung im Hause. Warum? Die Kantine war ganz einfach bei der Planung des Grundstücks vergessen worden, existiert nur als Notlösung. Wie so vieles im Haus der Hochkultur.
Probleme über Probleme
Seit 2004 ist eine Sanierung des Opernquartiers beschlossene Sache. 2002 hatte ein Ingenieurbüro die Mängel des Gebäudes in einer 2-jährigen Untersuchung festgestellt und anschließend dem Kulturausschuss vorgelegt. Das Ergebnis: Das Haus ist unbespielbar, müsste wegen seiner Baufälligkeit längst geschlossen sein.
Doch seither hat kein Handwerker seine Arbeit begonnen: Der Denkmalschutz des Opernhauses pocht auf originalgetreue Wiederherstellung, und „die Kosten für die Sanierung sind auf ca. 370 Mio. Euro hinaufgeschnellt“, so Hertling. Der Stadtrat hatte allerdings einen Kostendeckel von 230 Mio. Euro beschlossen. Der Rahmen wäre also gesprengt. Außerdem ist die Sanierung eines so alten Gebäudes mit ständig neu entdeckten Schäden ohnehin, so muss auch Dr. Hertling zugeben, „unkalkulierbar“. Somit steht das Projekt erneut am Scheidepunkt.
Entscheidung sehnlichst erwartet
Die Stimmung der Angestellten ist gespannt, denn ihre Arbeitsperspektive ist ungewiss. Lange mussten Sänger, Schauspieler und Techniker die das Ergebnis der Kommunalwahl abwarten, nun hoffen alle auf eine schnelle Entscheidung. Denn wenn bis zum Beginn der Verhandlungen über den städtischen Haushalt kein Ratsbeschluss getroffen ist, werde es eng. Die Zeit drängt also für einen klaren politischen Beschluss zur Sanierung des Opernquartiers.
Leonie Ney 2. Semester Kulturjournalismus
Campus Köln
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