Dienstag | 08. Mai 2018

Unterwegs in der Europa League - zwei Tage Salzburg vs. Marseille


Die große Bühne Profifußball ist für viele junge Menschen das ultimative Karriereziel. Gernot Klement hat sich diesen Traum nun verwirklicht: Nach seinem Sportjournalismus-Studium am Macromedia-Campus Köln hat er ein Volontariat als Videojournalist bei der perform Group begonnen und durfte jetzt beim UEFA Europa League Halbfinale in Salzburg dabei sein. Ein Erfahrungsbericht:


Aus Salzburg berichtet Sportjournalismus-Absolvent Gernot Klement.

Fünf Minuten vor Beginn der Pressekonferenz Olympique Marseilles am Tag vor dem EL-Halbfinal-Rückspiel beim FC Salzburg (Hinspiel 2:0) stand bei mir der obligatorische Ton-Check an. Die Kamera stand in Position, das Tonkabel eigentlich fest in der Kamera verankert, ich war bereit für Marseille-Coach Rudi Garcia und Innenverteidiger Adil Rami. Bevor es allerdings losging, galt es noch den Ausschlag zu überprüfen. Seltsam, da war nichts. Kein Ton, plötzlich kam ich ins Schwitzen, mein Magen drehte sich gefühlt einmal um die eigene Achse. In gut ausgestatteten PK-Räumen ist es heutzutage so, dass den Videojournalisten eine sogenannte Split-Box bereitgestellt wird. Hier steckt man sein Kabel ein und erhält so dann den Ton von den am Rednerpult sprechenden Personen. Ich verfolgte im nächsten Schritt das zehn Meter lange Kabel von meiner Kamera bis zur Box und fand meinen zweiten Stecker verwahrlost auf dem Boden herumkugeln. Einfach gefühlslos ausgesteckt, als hätte mir jemand etwas Böses wollen -  und das fünf Minuten vor der Pressekonferenz. Kurze Panik, aber dann doch noch Glück im Unglück: Von insgesamt 20 Steckern waren ‘nur‘ 19 bis dato belegt, sodass ich mir den allerletzten, aber den wirklich allerletzten Anschluss noch sichern konnte und endlich durchschnaufte. Puh! Problem gelöst, Tonausschlag auf dem Kamera-Bildschirm ersichtlich, Schweißperlen wieder verschwunden, und keine zwei Minuten später stapften Rudi Garcia sowie Adil Rami auch schon mit einem Grinsen auf das Rednerpult.
Es war die Schrecksekunde schlechthin während meines zweitägigen Trips, doch es sollte die einzige bleiben und mir wohl nur den Adrenalinkick verleihen, der bei beiden Teams dann auch auf dem Rasen zu spüren war.


Tag eins – “Den Bart abrasiert“

Der Reihe nach. Es ging für mich als OMNISPORT-Volontär zusammen mit Praktikant Tobi vormittags von München aus nach Salzburg. Ohne Verkehrsprobleme, ohne Blockabfertigung, pünktlich zur Salzburg-Pressekonferenz (sogar in etwa eine Stunde vorher) erreichten wir Wals-Siezenheim, den Ort, an dem der von Red-Bull-Eigentümer Didi Mateschitz aufgebaute Verein seine Heimspiele national und international austrägt. Um 13 Uhr sollte das Mediengespräch starten.  
Ganz generell ist anzumerken, dass bei Dreheinsätzen in der Europa League und in der Champions League man als Videojournalist meist zwei Tage im Einsatz ist. Die Klubs halten am Tag vor dem Spiel sowohl eine Pressekonferenz ab als auch ein Training, welches von den Medienvertretern die ersten 15 Minuten abgelichtet werden darf. So auch an diesem frühlingshaften Mai-Mittwoch, allerdings mit einer kleinen Ausnahme. Denn die Südfranzosen entschieden, sich den letzten, vielleicht entscheidenden Punch noch in der Heimat zu holen und absolvierten das Abschlusstraining bereits vor der Reise in die Mozartstadt. Für uns war das natürlich sehr schade, da die Auswärtsmannschaft in der Regel im Stadion des Gegners trainiert und somit Aufnahmen vom Spielfeldrand gemacht werden können. Aber gut, wo waren wir? Richtig, bei der Salzburg-PK.
13 Uhr – Trainer Marco Rose und Innenverteidiger Andre Ramalho stellten sich den Fragen der Journalisten und machten einen äußerst souveränen Eindruck.  Einen Eindruck, der allen Anwesenden unmissverständlich vermittelte, dass dieses 0:2 aus dem Hinspiel die Salzburger Hoffnungen auf den EL-Endspieleinzug keineswegs verringern sollte. Hundert Prozent Fokus vielleicht eine leere Floskel, den beiden Salzburgern kaufte man dies jedoch tatsächlich ab.
Absolutes Highlight der Pressekonferenz: “Ich habe mir den Bart rasiert, der ist kürzer als sonst“, entgegnete Marco Rose einem Journalisten, der ihn nach besonderen Ritualen vor dem Spiel des Jahres gefragt hat. Die Mozartstädter waren also rundum positiv gestimmt, heiß auf diesen Fight, und ich war nach einer rund 35-minütigen Pressekonferenz bereit, meinen Kollegen das Videomaterial zur Verfügung zu stellen. 35 Minuten ist eine relativ lange Zeit bei Pressekonferenzen, – eventuell könnte das noch Altmeister Jupp Heynckes an einem guten Tag erreichen – was aber in diesem Fall daran lag, dass jede Aussage danach noch ins Französische übersetzt wurde. Teil I abgehakt.  
17 Uhr – Die Salzburger waren bereit für das Abschlusstraining, unweit der Heimstätte befindet sich deren Trainingszentrum.  15 Minuten lang durften wir dem Training beiwohnen und die Spieler in der letzten Übungseinheit vor deren großen Tag mit der Kamera begleiten. Übrigens ein sehr ansehnliches Trainingszentrum des FC Salzburg, inmitten von Wohnhäusern und doch recht idyllisch. Jedenfalls eine sehr angenehme Atmosphäre, dies soll an der Stelle nicht unerwähnt bleiben. Die Spieler zeigten sich bis in die Haarspitzen motiviert und wir konnten einige Übungen mit der Kamera einfangen. Als Videojournalist versucht man im Training immer die gesamte Szenerie im Auge zu behalten, um sich so witzige Szenen oder erzielte Traumtore nicht entgehen zu lassen. Nach einigen Aufwärm- und Sprintübungen dauerte es auch nicht allzu lange, bis der UEFA-Delegierte auf uns zukam und uns des Feldes verwies - natürlich auf freundliche Art und Weise. Teil II abgehakt, Zeit für einen Klubwechsel.
19.30 Uhr – Nachdem die Mozartstädter sich den letzten Feinschliff für die angestrebte Aufholjagd bereits geholt hatten, mussten die Südfranzosen ihren obligatorischen Part erst noch erfüllen. Offiziell war die Pressekonferenz in den Katakomben des Salzburger Stadions für 19.30 Uhr anberaumt, doch der Flug von Olympique Marseille hatte sich scheinbar etwas verspätet. Das Mediengespräch ging dann letztendlich rund eine Stunde später los, die zahlreichen französischen Journalisten begrüßten Trainer und Spieler sogar mit leisem Jubel. Erheiterung zu später Stunde im Pressekonferenzraum. Pünktlich noch den Ton gefunden (ein Hoch auf den 20. und letzten Anschluss der Split-Box), das Bild scharf gestellt und rechtzeitig auf REC gedrückt, alles lief nach Plan. Wie schon Salzburgs Marco Rose, wirkte auch Marseille-Coach Rudi Garcia tiefenentspannt vor dem Halbfinal-Rückspiel. Warum auch nicht, ein 2:0 im Hinspiel verschaffte den Jungs von der Côte d’Azur doch eine komfortable Ausgangsposition. Ich schickte das Material nach der Pressekonferenz zügig an meine Kollegen, danach ging es mit Sack und Pack wieder zurück nach München. Tag eins war zu Ende. Unsere Ausbeute: Zweimal Pressekonferenz, einmal Training.  “Es dürfte ein heißer Fight morgen werden“, dachte ich und ließ mir bereits Verlängerungs- und Elfmeterszenarien während der Autofahrt durch den Kopf gehen. Teil III abgehakt.


Tag zwei – Überstunden am Feld, Überstunden in der Mixed Zone

Spieltag, alles auf Rot-Weiß, alles auf Himmelblau, wer wird das Endspiel am 16. Mai 2018 in Lyon bestreiten? Für mich ging es per Auto alleine nach Salzburg, rund eine Stunde vor Spielbeginn trudelte ich im Pressebereich des Stadions ein. Meine Aufgabe: Interviews nach dem Spiel in der Mixed Zone. Zur Erklärung: Die Mixed Zone ist der Bereich, in dem Spieler bzw. Trainer auf dem Weg zum Mannschaftsbus durchlaufen und im Normalfall bei guter Laune den Journalisten noch einige Fragen beantworten. Diese Zone kann mal weniger gut besucht sein, kann aber auch mal so gut wie ausverkauft sein. Platzangst sollte man als Videojournalist jedenfalls keine haben, sonst ist die Mixed Zone eine Art verbotene Zone.
Vor Spielbeginn machte ich noch einen Toncheck und brachte mein Equipment um Stativ, Kamera und Mikrofon in Stellung, damit nach Schlusspfiff auch alles schnell gehen konnte. Danach ging es für mich in die Medienbox unterhalb des Stadiondachs, in welcher ich zusammen mit einem deutsch-kanadischen Journalisten das Rückspiel verfolgte. Und zwar was für eines. Dieser souveräne Auftritt Marco Roses und Andre Ramalhos auf der Pre-Match-Pressekonferenz spiegelte sich auf dem Rasen zu 100 Prozent wider, Salzburg geigte vor allem in Halbzeit zwei auf und egalisierte nach 90 Minuten das 0:2 aus dem Hinspiel. Heißt: Verlängerung, nochmal 30 Minuten obendrauf. Den Salzburgern fehlte aber hinten raus das Quäntchen Glück, Olympique Marseille stach nach einem Eckball eiskalt zu und beendete Österreichs Träume vom ersten europäischen Finale seit 1995/96 (Rapid Wien unterlag damals Paris Saint-Germain 0:1 in Brüssel).
Beim entscheidenden Auswärtstor der Südfranzosen stand ich aber schon wieder im Pressebereich, bereit für die Mixed Zone nach dem Spiel. Einige französische Kamera-Teams  hatten sich schon dort platziert, ich schloss mich den Kollegen an und hoffte auf Stimmen der siegreichen Marseille-Mannschaft. Um mich dabei voll und ganz der Kamera zu widmen, händigte ich mein Mikrophon einer netten französischen Kollegin aus, welche die gesamten Interviews über mir so entscheidend unter die Arme griff. Mixed Zone ist kein Kind von Traurigkeit, man weiß nie, wo genau ein Spieler stehen bleibt, und wer einem vielleicht den Ellbogen in die Rippen rammt. Natürlich auch verständlich, denn jeder versucht auch irgendwo ein gutes Bild und einen guten Ton zu bekommen.
Insgesamt neun Interviews später, darunter OM-Coach Rudi Garcia, Dimitri Payet oder Florian Thauvin, schaute ich dann gegen 1.20 Uhr auf mein Smartphone – die Mixed Zone neigte sich dem Ende zu. Ich huschte dann sofort wieder hoch in den Pressebereich, schickte mein Material an die Kollegen, und machte mich gegen 2 Uhr nach einem langen, interessanten und intensiven Europa-League-Abend wieder auf den Rückweg nach München. Eine kurze Unachtsamkeit sollte die von Marco Rose auf der Pressekonferenz ausgestrahlte Souveränität bestrafen, ich jedoch kam ungestraft davon. Und blickte auf zwei extrem spannende Tage als Videojournalist zurück.

Mehr zum Journalistik-Studium an der Hochschule Macromedia:
- Fachrichtung Sportjournalismus
- Fachrichtung Journalismus
- Fachrichtung Fashion Journalismus
- Fachrichtung PR & Corporate Communication


Gernot Klement studierte zwischen 2014 und 2017 Sportjournalismus an der Hochschule Macromedia.

Live-Reportagen gehören zu den besonderen Elementen, die angehende Sportjournalisten während ihrer Ausbildung einüben.

Das Halbfinale zwischen dem FC RB Salzburg und Olympique Marseille war an Dramatik kaum zu überbieten und entschied sich nach starkem Comeback der Österreicher erst in der Verlängerung.

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