Vergleich von F35, ARRI D21, SI-2K und RED

Digitale Cinematographie Workshop an der MHMK

Kamerastudenten des Film/Fernsehstudiengangs produzieren einen Vergleichstest der wichtigsten digitalen Kinokameras.

Digitale Cinematographie Workshop der MHMK. Kamerastudenten an der ARRI D21
Digitale Cinematographie Workshop der MHMK. Kamerastudenten an der ARRI D21

Die Slumdog Millionär-, die Rock’nRolla/Henri IV-, die George Lucas- und die Underdog-kamera: Alle waren sie versammelt beim Digitalen Cinematographie Workshop der Abschlussklasse im Studiengang Film/Fernsehen der MHMK.
Durch die großzügige Unterstützung von FGV-Schmidle, ARRI, BandPro und PS-Technik konnten die Kamerastudenten die Königsklasse der digitalen Kinokameras kennenlernen und in einer Studiodekoration beim 5 tägigen Workshop testen.

Die Oscar-Kamera SI 2K: Den Anfang machte die von PS-Technik modifizierte Silikon Imaging Kamera die Carlos Alvarez vorstellte. Die Kamera zeichnet sich durch den kleinen abnehmbaren Kamerakopf ab, der bei Slumdog Millionär besonders unauffälliges dokumentarisches Drehen ermöglichte. Die restliche Kameraelektronik und Aufnahmemedien waren dabei im Rucksack des Operators versteckt und wurden mit Eis gekühlt.

Überzeugend war die Steuerung der Kamera über die intuitive Benutzerführung am LCD-Onboard-Touchscreen. Das Erstaunliche dabei: Man gewöhnt sich sehr schnell daran auf z.B. die Framelines oder die RGB-Parade zu tippen und zu erwarten, dass diese verschwinden nur um nach der Bildkontrolle dann wieder auf die Bereiche im Bild zu tippen um ihr Wiedererscheinen zu erwarten.
Aufzeichnung im kompakten Gehäuse? Kein Problem. Die Rohdaten werden auf der internen Festplatte gespeichert. Die Mankos: Der 2/3“-chip bietet natürlich nicht die selektive Unschärfemöglichkeiten wie ein S35-Sensor.
Erster Eindruck: S16 hat einen würdigen Nachfolger

Der Underdog: RED schüttelte den Markt heftig durcheinander. Während die anderen Hersteller sehr zögerlich ihre Entwicklungen an den Markt brachten, löste Jim Jannard mit der Ankündigung einer sehr günstigen 4K/S35-Kamera ein Erdbeben in der Branche aus. Allein das Marketing schien schon mal preisverdächtig. Aber was hält die Kamera, die alles verspricht? Owner-Operator und DOP Manuel Wenger führte die Studenten und Studentinnen ein. Dabei erwähnte er durchaus auch die Schwächen und wies daraufhin, dass ein Großteil der Original-Accessoires von RED wenig hilfreich seien.

DOP und Owner-Operator Manuel Wenger erklärt die RED. Der Underdog RED liefert als einziger angeblich 4K
DOP und Owner-Operator Manuel Wenger erklärt die RED. Der Underdog RED liefert als einziger angeblich 4K

Der Sucher scheint allerdings recht brauchbar und dass der Sensor Übergröße aufweist um dem Operator im Sucher Bildobjekte zeigen zu können, die noch außerhalb des aufgezeichneten Bildfelds sind, zeugt von praktischer Erfahrung. Störend für Schwenks bleibt die Latenzzeit von 2Frames, die allen Kameras mit rein elektronischem Sucher gemein ist. (Aus den gewaltigen Datenmengen ein brauchbares Bild zu machen – das braucht eben seine Zeit).
Die Daten wurden auf einer Compact-Flashkarte aufgezeichnet. Das ist sehr komfortabel, billig und ziemlich unglaublich! Wie lassen sich den diese gewaltigen Mengen auf ein solches Medium schreiben? Nun ja: Rohdaten bei RED sind nicht Rohdaten sondern schon mal 1:10 komprimiert. Das sieht man nicht? Die Tests werden es zeigen!
Aber warum ist diese Kamera kaum 1/10 so teuer wie die Konkurrenz von ARRI und Sony? Ganz einfach: erstens ist sie sehr sehr einfach konstruiert, (einfachste und z.T problematische Lösungen bei Konstruktionsherausforderungen wie Auflagemaß, Stromversorgung und Witterungsschutz) und zweitens: Im Grunde fehlt der Kamera alles um aus Daten Bilder zu machen. Dieser aufwendige Rechenprozess wird in die Postproduktion verlegt und braucht sehr viel Zeit. Also nichts für längere Drehs mit viel Material unter Zeitdruck
Erster Eindruck: eine großartige Kamera für den Independent-Filmer mit Zeit und großem Postrechner. Deutliche mechanische Schwächen die sich durch Fremdzubehör mindern lassen

Aus gutem Hause: Die D21 wurde von ARRI für den Workshop bereitgestellt und Oliver Temmler aus dem Kamerasupport erklärte den Studierenden die Kamera die weltweit schon für Kinofilmproduktionen eingesetzt wird.
Der Kamera in ARRI-Grau sieht man sofort an, dass sie nicht aus der Videoecke stammt – Sie hat den Anspruch die Kinokamera der Zukunft zu sein. Ihr optischer Sucher der Extraklasse (natürlich ohne Latenz und wie gewohnt mit Safe Area) ist einzigartig im Feld der Mitbewerber.

Oliver Temmler vom ARRI Kamera Support erklärt die Funktionen der ARRI D21, der einzigen Kamera mit optischem Sucher und Umlaufblende. Trotz massivem Gehäuse ist die Aufzeichnung nur extern möglich
Oliver Temmler vom ARRI Kamera Support erklärt die Funktionen der ARRI D21, der einzigen Kamera mit optischem Sucher und Umlaufblende. Trotz massivem Gehäuse ist die Aufzeichnung nur extern möglich

Die Kamera liefert nicht nur Raw – sie kann auch Bilder aus dem 3K Bayerpattern CMOS- Sensor entwickeln. Mit der Latenz von 2 Bildern bekommt man ein HD-Bild zur sofortigen Verwendung das per HD-SDI in 4:2:2 oder mit Dual HD-SDI sogar in 4:4:4 10bit auf dem mobilen Sony SRW1 Rekorder im HD-Cam-SR Standart aufgezeichnet werden kann. Aber Arri kann auch roh und roh meint auch roh: 110GB Bilddaten innerhalb von 7Minuten Aufzeichnung sprechen für sich. Da bleibt zur Aufnahme im Moment nur ein S-two rekorder mit internem RAID (als „Obie“ bald auch kleiner und onboard oder die neue PS-Technik OneBox) um die Datenmassen zu bewältigen. Einen kleinen CF-Karten Einschub wie bei der RED sucht man deshalb vergeblich. Allerdings ist mit der D21 das Vorschaubild auch in bester HD-Qualität möglich (und nicht nur mit Einfachstdebayering auf niedrigem Niveau wie z.B. bei RED). Auch die Lüftergeräusche hat man im Griff. Die Lösung: Es gibt einfach keinen. Das erklärt auch das massive Gehäuse, das den HD-Karten im Hinteren Teil der Kamera den Platz für passive Kühlung schafft.
Unser erster Eindruck: Die Kamera die es aufnimmt mit den besten Film-Kameras der Welt (natürlich aus dem eigenen Haus) wenn nur die verdammten Kabel zum Rekorder nicht wären.

Video goes Cinema. Sony F35 Es war sehr schwierig diese Kamera zu bekommen. In Deutschland gibt es im Moment nur neun und vier davon bei FGV-Schmidle. Unser Partner FGV, der den Workshop mit der gesamten Kameratechnik drumherum ausstattete musste die Zusage für die Kamera zurückziehen, als im letzten Moment George Lukas auch noch die verbliebenen vierte Kamera zum Dreh nach Prag orderte.

Sony F35. Kommt aus der Video-Ecke aber zeigt auch äußerlich dass sie eine Kinokamera sein will. (Über dem Rec knopf steht RUN)
Sony F35. Kommt aus der Video-Ecke aber zeigt auch äußerlich dass sie eine Kinokamera sein will. (Über dem Rec knopf steht RUN)

Kamera Ludwig sprang großzügigerweise sehr kurzfristig ein und ermöglichte uns die heißeste Kamera im Feld zu testen. Hendrik Vogt von BandPro erklärte die Vorzüge  der ersten Sony ohne Beamsplitter. Aber kann eine Firma die sich über Jahre auf EB-Kameras spezialisiert hat Kinokameras bauen. Sahen nicht alle als digitale Kinokameras bezeichnetetn HD-Cams (F900) wie EB-Mühlen aus? Diese Nicht! Nicht nur, dass Sony mit einem Vollformat Single CCD-Sensor den Beamsplitter weglässt und einen PL-Mount einbaut, auch das Design orientiert sich an klassischen Filmkameras mit dem SRW1 als „Magazin“ hinten (oder oben) dran. Als Auslöser dient ein RUN-Knopf wie bei der klassischen ARRI)
Der striped CCD von Sony verfügt horizontal, wenn man so zählt wie Jim Jannard bei seiner 4K Kamera RED, über mehr als 6K Pixel und hat einen gigantischen Belichtungsumfang von angeblich 13 Blenden. Das sind immerhin entscheidende 3 Blenden mehr als die Mitbewerber. Beeindruckend ist auch die Empfindlichkeit. Mit bis zu 640 ASA deutlich mehr als die rund 250 ASA von ARRI, RED und SI-2K. aber all das sollte der Test zeigen.
Die Aufzeichnung des 1920x1080 Bildes geschieht onboard im SRW1 mit bis zu 10bit 4:4:4. Wieso sollte man denn mit Raw-Daten arbeiten, wenn man auch ein fertig entwickeltes HD-Bild haben kann, das bei 10bit genügend Spielraum für spätere Farbkorrekturen bietet? Eine Frage die sich zumindest all diejenigen stellen müssen die rasch arbeiten und sich zur Archivierung auch gerne ein (vergleichsweise) günstiges Band ins Regal stellen wollen.
Erster Eindruck: Im klassischen Sony-Grau vertritt die Videofraktion den Anspruch auf die Führung im Kinokamerasegment.

Die Rebellin: Die Canon 5D wurde auch zum Test gebeten. Die DSLR-Kamera macht die Filmcommunity ganz verrückt als klar wurde, dass diese Vollformat-Kamera in einem MPEG4 Standard Full-HD Videos aufzuzeichnen in der Lage ist. Mit der neuen Firmware sollen auch Blende, Belichtungszeit und ASA einstellbar sein. In unserem testset-up leider noch ohne neue Firmware und mit großen Schwierigkeiten die entsprechende Blende gewollt hinzubekommen. Großes Manko: die Kamera nimmt auch mit neuer Firmware nur in 30p auf. Wahrscheinlich schützt man so die eigenen Videokameralinie vor Kanibalismus.
Erster Eindruck: Etwas für Fummler. Jetzt, mit neuer Firmware, ernstzunehmende Testkandidat für Indiefilmer die sich eine RED nicht leisten können.

Der Test
Der Test sollte keine technischen Daten liefern sondern einen Kameravergleich unter realen Drehbedingungen ermöglichen. Dazu wurde im Studio der MHMK eine kleine Deko mit Fenster aufgebaut. Unterstützung erhielten die fleißigen Kulissenbauer der Kameraklasse aus der Bavaria Ausstattung und der Firma Big Images die einen Tag/Nacht Backdrop zur Verfügung stellte.

Selber Handanlegen: Kamerastudenten beim Setbau.
Selber Handanlegen: Kamerastudenten beim Setbau.

Das besondere dieses Backdrops: Von Vorne beleuchtet ergibt sich ein Tagbild mit strahlend blauem Himmel, von hinten durchleuchtet eine Nachtstimmung mit erleuchteten Fassaden. Leider musste der Hintersetzers sehr nahe am Motiv aufgebaut werden – und war so sehr scharf

Das Test-Set im Tageslicht: Ein Künstleratelier mit vielen Farben. Das Fenster: Die Fotokamera war nicht in der Lage den Kontrastumfang des Bildes zu erfassen. Draussen bis zu 5Lichtwerte über Neutralgrau
Das Test-Set im Tageslicht: Ein Künstleratelier mit vielen Farben. Das Fenster: Die Fotokamera war nicht in der Lage den Kontrastumfang des Bildes zu erfassen. Draussen bis zu 5Lichtwerte über Neutralgrau

Die Kameras sollten in einer Tages und auch in einer Kunstlichtstimmung getestet werden, da den Tageslichtempfindlichen CMOS Sensoren nachgesagt wird bei Kunstlicht im Blau-Kanal (wenig Information) schnell in hässliches Rauschen zu verfallen. Das wollte natürlich ausprobiert werden. Darüber hinaus galt es die Kameras in der Paradedisziplinen des klassischen Filmmaterials zu testen. Interessiert habe wir uns für:

  • Highlightverhalten: Fenster Draussen (Tagstimmung) +3 bis +5 LW über Neutralgrau
  • Übersprech-Artefakte in Highlights: Kerzen und Lampe (Nachtstimmung)
  • Lowlightverhalten: dunkle Ecken mit gefaltetem Mollton (Tagstimmung) Dunkle Ecken Nachtstimmung -4 bis -6LW unter neutralgrau
  • Farbwiedergabe: viele Farben im Bild und einfache RGBCYM Farbtafel in beiden Stimmungen
  • Hauttonwiedergabe: Eine hellhäutige Studentin und ein dunkelhäutiger Student standen dankenswerterweise als Modells zur Verfügung.
  • Auflösung: Viele Details und feine Strukturen in beiden Test-sets
Das Set in der Nachtstimmung: Kunstlichtquelle weich von oben. Rücksetzer hinterleuchtet im Vordergrund der ARRI D21 Onboard Monitor
Das Set in der Nachtstimmung: Kunstlichtquelle weich von oben. Rücksetzer hinterleuchtet im Vordergrund der ARRI D21 Onboard Monitor

Da die Kameras nicht parallel zur Verfügung standen wurden die Sets immer wieder von der einen auf die andere Stimmung umgebaut. Das sollte natürlich ohne Fehler geschehen und wurde penibel überwacht.

Das Tageslicht-set-up
Um das weiche Licht des 8x8 Lightgrid Butterflyrahmens zu kontrollieren wurde ein Lichtrichtgitter (Eggcrate) am Vierkantrahmen montiert. Dieses Gitter wurde von DOP Choice zur Verfügung gestellt, stand wie eine eins und sorgte dafür, dass durch die weiche Lichtquelle von der Seite nicht der ganze Hintergrund „aufgerissen“ wurde.

Tageslicht-set-up

Das Kunstlicht-Set-up

Kunstlicht-Set-up

Panasonic unterstützte den Workshop mit zwei neuen Produktionsmonitoren. Mit dem 1760 und dem neuen Modell 2550 standen zwei hervorragende HD-Displays zur Bildkontrolle zur Verfügung.

Die Endfertigung:
Jetzt gilt es die gedrehten Aufnahmen in den diversen Formaten (ARRI-RAW, SI-2K RAW, RED-RAW, HD-CAM-SR HQ und MPEG4) zu konformen. Patrick Palmer von Iridas hat seine Unterstützuing zugesagt. Seine Software Speedgrade verfügt über die Fähigkeit mit allen Rohdaten umzugehen und sie in einer Timeline darzustellen. Die Hardware mit der notwendigen Rechenpower kann PS-Technik mit der brandneuen OneBox zur Verfügung stellen.

Am Ende dieses Vergleichstests steht natürlich eine Betrachtung im Kino. ARRI wollte dazu das Kino stellen. Prof. M.Leuthner „ Ich bin sehr dankbar für die Unterstützung aus der Münchner Filmindustrie, die diesen Workshop möglich gemacht hat. Man kann all diese Kameras natürlich auch auf Messen sehen – aber sie Hands-on zur Verfügung zu haben ist natürlich etwas ganz anderes.“

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