Macht und Verantwortung in der Medienwelt
Am 12. Oktober war der bekannte Fernsehmoderator und Kolumnist Dr. Dr. Michel Friedman zu Gast auf dem MHMK-Campus München und sprach über „Macht und Verantwortung“.
„Wann haben Sie das erste Mal in Ihrem Leben das Gefühl von Macht erlebt?“ Diese Frage stellt Michel Friedman direkt ins Publikum. Ein Student steht auf, erzählt von der Geburt seines jüngeren Bruders und will sich wieder setzen. Aber Friedman bittet ihn stehenzubleiben, da wolle er noch einmal einhaken. Und instinktiv denkt man sich: „Klar, das war ein Fehler aufzustehen – jetzt hat er keine Chance mehr“.
Michel Friedman gilt als unerbittlicher Interviewer, der nicht locker lässt, immer weiter bohrt und eine regelrechte Streitkultur entwickelt hat. So stellte ihn auch Prof. Dr. Arthur Hofer am Mittwoch in der Aula der MHMK München in seinen einleitenden Worten vor. Nachdem Hofer verschiedene Stationen von Michel Friedmans Biografie aufgezählt hat, ergänzt dieser jedoch: „Verantwortung heißt auch, Biografien ehrlich zu zitieren – ich habe vor acht Jahren großen Blödsinn gemacht, habe dafür bezahlt und die Verantwortung übernommen. Diesen Punkt in meiner Biografie darf man nicht einfach ignorieren.“
Dann spricht Friedman mit den anwesenden Gästen – der Raum ist mehr als voll – über Verantwortung und Macht und darüber, wie diese beiden Begriffe zusammenhängen. Speziell die Journalistikstudenten spricht er an, wenn er sagt: „Sie beeinflussen eines Tages Menschen, die Frage ist nur: Wie gehen sie damit um?“ Friedman hat 2010 in Philosophie promoviert und das merkt man, wenn er beginnt, über die Bedeutung von Macht, die ewige Prüfung des eigenen Standpunktes und Machtmissbrauch zu sprechen.
„Macht ist die Theorie von Herrschaft und Knechtschaft“ – dieser Ausspruch von Aristoteles ist nicht das einzige philosophische Zitat, das Friedman anbringt. „Es gibt die eine Wahrheit“ – bei dieser Aussage fängt für Michel Friedman schon die erste Lüge an. Er spricht von verschiedenen Wahrnehmungen und Interpretationen zur Macht. „Der Gegenbegriff zur Macht ist die Freiheit und wer seine Freiheit nicht ständig auslebt, der verlernt das für den Ernstfall.“ Und genau darin sieht Friedman auch die Gefahr im momentanen politischen Zustand, in dem Machtpolitiker leichtes Spiel mit Bürgern ohne Freiheitsdrang haben.
Auch der Begriff der Verantwortung wurde von allen möglichen Philosophen und Denkern untersucht. „Verantwortung hat etwas mit Gewissen zu tun, und das Gewissen ist etwas, was wir nicht greifen können“, so Friedman. Die Frage, die er ins Publikum stellt, ist, wem man denn nun für sein Handeln verantwortlich ist. Die Antworten reichen von „Im Endeffekt nur mir selbst“ bis zu „Sobald ich die Freiheitsrechte eines anderen beschneide, bin ich auch ihm gegenüber verantwortlich“. Friedman lächelt, denn genau das wollte er mit der Frage zeigen: Jeder hat ein anderes Verständnis von Gewissen und Verantwortung.
Am Ende versucht Michel Friedman, die Begriffe „Macht“ und „Verantwortung“ zusammenzubringen und gibt seinem Publikum ein paar Aspekte mit auf den Weg: „Sie werden beeinflussen und die Menschen werden ihnen als Journalist viel mehr abnehmen als einer Privatperson. Überlegen Sie sich, welche Verantwortung Sie für diese Macht, für Ihr Geschriebenes übernehmen müssen, überdenken Sie immer Ihren Zustand und hinterfragen Sie alles nach einer Alternative. Sie haben jeden Tag die Möglichkeit, eine Entscheidung zu treffen, einen anderen Weg zu gehen. Und das heißt Verantwortung.“
(Verena Kuhlmann/sis)

Prof. Dr. Arthur Hofer begrüßt Dr. Dr. Michel Friedman


Friedman über Macht und Verantwortung in der Menschen- und Medienwelt

Der Saal ist voll bis zum letzten Platz

