Montag | 08. Mai 2017

Journalist der Zukunft: Linguistisch versierter Daten-Junkie?


In der Vortragsreihe „Digitale Welten“ sprach Prof. Dr. Andreas Graefe über automatisierten Journalismus und dessen Anforderungen an die Redaktionen der Zukunft. Gastgeber der sechsteiligen Reihe im Sommersemester 2017 war der Alumni- und Förderverein Macromedia Community e.V.


Eigentlich ist Andreas Graefe Prognoseforscher. Seit 2004 leitet er das Forschungsprojekt PollyVote, welches zuletzt vom Tow Center for Digital Journalism an der Columbia University in den USA. sowie der Volkswagen Stiftung, gefördert wurde. Das Besondere: Durch eine Kombination verschiedener Vorhersagemodelle generiert Pollyvote mittelfristig genauere Prognosen als es einzelnen Vorhersagemodellen wie Umfragen, Wählererwartungen oder ökometrischen Modellen gelingt.

Mittlerweile ist Sky-Stiftungsprofessor Dr. Andreas Graefe aber auch Experte für automatisierten Journalismus. Ihn frustrierte die mangelnde Rezeption der Pollyvote-Zahlen. Deshalb suchte er nach Möglichkeiten, die Bekanntheit des Projekts zu steigern. Automatisiert erzeugte kurze Textbausteine auf Grundlage der tagesaktuellen Zahlen waren seine Antwort – mit Erfolg: Von April bis November 2016 hat Pollyvote knapp 22.000 Nachrichtentexte zur Präsidentschaftswahl in den USA generiert, in zwei Sprachen. Ein erheblicher Traffic auf der Pollyvote-Website zeugt von dem großen Interesse an diesem Service.

Exponentiell wachsende Datensammlungen: Voraussetzung für automatisierte Nachrichten

Doch wie werden Daten zu lesbaren Texten, bei denen die Rezipienten den Unterschied zu Texten „echter“ Journalisten nicht mehr erkennen? Nur durch die Vorarbeit der menschlichen Kollegen: „Der Journalist muss das Potenzial der Datensammlungen erfassen. Er muss festlegen, welches die wichtigsten Aussagen eines Datensatzes sind und welches spannende Bezüge innerhalb der Datensammlung sein können. Idealerweise kann er die entsprechenden Ausschluss- oder ‚Wenn-Dann‘-Bezüge formulieren und mit passenden Textbausteinen hinterlegen.“

Also werden die Redaktionen zukünftig nicht mehr von leidenschaftlichen Storytellern, sondern von linguistisch versierten Daten-Junkie bevölkert? Graefe winkt ab: „Egal, mit welcher sprachlichen Varianz die Algorithmen programmiert werden – es sind doch immer gleich strukturierte Texte auf Basis vordefinierter Regeln. Das Besondere, das Außergewöhnliche oder Exemplarische zu erkennen und journalistisch fesselnd zu gestalten – das ist immer noch den Menschen vorbehalten.“

Ein hervorragende Beschreibung, wie die automatisierte Textproduktion auf Pollyvote aussieht, gibt es in dem Beitrag des Deutschlandfunk unter "Was kann der Mensch? / Etappe vier: die Journalistenmaschine": bit.ly/2qhwdZi

Weitere Informationen zur Studienrichtung Journalismus (B.A.) gibt es hier.

(IMH)


Riesige Datenmenge sind Voraussetzung für automatisierten Journalismus. Um aus ihnen lesenswerte Aussagen zu generieren, braucht es aber weiterhin die Expertise des ausgebildeten Journalisten.

Prof. Dr. Andreas Graefe ist Sky Stiftungsprofessor an der Hochschule Macromedia. Er forscht zu Prognosemethoden und automatisiertem Journalismus.

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