Dienstag | 08. Juli 2008 | München weiterempfehlen >

12. Praxisgespräch mit Grimme-Akademie - Macher von Switch Reloaded sagen: Satire muss man ernst nehmen

12. Praxisgespräch Beim 12. Praxisgespräch am 1. Juli 2008 verrieten die Köpfe hinter der preisgekrönten Pro7 Comedy-Sendung „Switch Reloaded“ wie man guten TV-Spaß macht.

Teilnehmer des Praxisgeprächs waren

Benedikt Nordmann,

Georg Kappenstein (links) und Heinz-Günther Clobes, Leitder der Grimme-Akademie.

Im Namen der Macromedia FH begrüßte Sabine Wallstein die Gäste.

Die Zuschauer erfuhren aus erster Hand, wie TV-Comedy entsteht.


Wenn Comedians am Werk sind, wenn Bernhard Hoëcker Darnell, Max Giermann Beckmann bzw. Mälzer entzaubert und Martina Hill zu Gundula Gause wird, dann handelt es sich um 'Switch Reloaded' auf ProSieben. Das Format "'Switch Reloaded' ist eine Parodie auf das Medium Fernsehen. Eine Art 'Worst of' der Koch- und Castingshows, der Talks und TV-Nachrichten", meint der Kritiker der 'Welt', "'Switch Reloaded' entführt den TV-Muffel in eine Welt, die man sich als eine riesige Hüpfburg für Kindergeburtstagsanimateure, Selbstdarsteller und Ersatzgötter vorstellen muss." Ursprünglich 1997 als 'Switch – TV gnadenlos parodiert' gestartet, gibt es seit 2007 wieder neue Staffeln, diesmal als 'Switch Reloaded'.

 

 

Beim 12. Praxisgespräch am 1. Juli gaben Benedikt Nordmann, Producer von ‚Switch Reloaded’ und sein Chefautor Georg Kappenstein Einblick in ihr Erfolgsformat. Die Fernsehparodie 'Switch Reloaded' erhielt 2007 den Deutschen Comedy-Preis und war 2008 für den Adolf-Grimme-Preis nominiert.

 

Wie macht man guten und erfolgreichen TV-Spaß?

Die Einspielungen der letzten Staffel zeigten einen Pop-Songs singenden Osama Bin Laden, Intimes von den Sedlheimer Sodomisten und Hitler als vertrottelten Kriegsbürokraten im Stromberg-Ambiente. ‚Switch Reloaded kennt kaum Tabus. Darf die Sendung auch nicht, meint Producer Benedikt Nordmann: „Wir wollen niemanden verletzen“, so Nordmann auf die Frage, ob es beim Humor auch Grenzen gibt. „Aber hat Satire Grenzen? Die darf es nicht geben.“ In der Redaktion achteten sie zwar auf aktuelle Ereignisse. So würde eine Folge über Geschwisterliebe in den Alpen nicht gesendet werden, wenn zeitgleich Inzest- und Missbrauchsfälle in den Medien seien.

Wichtig für die gelungene Parodie sei, dass man sich mit der ursprünglichen Sendung wirklich auseinander setzt. „Man muss die Sendung dreimal sehen. Das ist eine der ‚Zehn Goldenen Regeln’“, betont Chefautor Georg Kappenstein. „Auch wenn es Rosamunde Pilcher ist. Das ist dann wirklich Arbeit“, so der studierte Wirtschaftsinformatiker. Schon während des Studiums hatte er fürs Fernsehen geschrieben und betreut nun die etwa zehn festen Freien Autoren. Um die Abnahme oder Überarbeitung von Drehbüchern transparenter zu machen, haben er und Kappenstein die ‚Zehn Goldenen Regeln’ eingeführt.

 

 

Sie klingen ganz einfach, sind jedoch Teil des Erfolgrezepts. Die zentrale Regel lautet: „Es muss lustig sein.“ Denn ein echtes Rezept für den Erfolg gibt es laut Nordmann nicht. Man müsse das Humorzentrum der breiten Masse treffen können. Fernsehen sei ein emotionales Medium, das zum Lachen und Weinen bringen kann. Dabei ist das Ziel immer, die Zuschauer zu berühren. Sie müssen zum ‚Opfer’ der Satire eine Beziehung, eine Meinung haben. Und um gute Satire zu machen, muss man sein Opfer ernst nehmen.

 

 

Über die Praxisgespräche

Die Praxisgespräche sind eine öffentliche Veranstaltungsreihe der Macromedia Fachhochschule der Medien, die seit 2004 in Kooperation mit der Adolf-Grimme-Akademie stattfindet. Beim Praxisgespräch verraten Grimme-Preisträger und Nominierte, wie man erfolgreiches Qualitätsfernsehen macht.

 

(Text: Jessica Schallock; Fotos: Michael Schmidt-Ott)