Montag | 31. Juli 2017

Angstfigur versus Willkommenskultur: Macromedia-Professor untersucht Medienberichterstattung über Flüchtlinge


Willkommenskultur war gestern. Mittlerweile berichten deutsche Leitmedien viel häufiger im Kontext von Gewaltdelikten über Flüchtlinge. Dies belegt eine aktuelle Inhaltsanalyse von Professor Dr. Thomas Hestermann von der Hochschule Macromedia. In Zusammenarbeit mit der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen und dem Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen hat der Medienwissenschaftler die Berichterstattung von Bild-Zeitung, Frankfurter Allgemeiner Zeitung, Süddeutscher Zeitung und taz sowie acht deutschen Fernsehsendern im Zeitraum Januar bis April 2017 untersucht.


Seit der Kölner Silvesternacht 2015/16 hat sich der mediale Blick auf Flüchtlinge und Zuwanderer deutlich verändert: Sie geraten als mutmaßliche Gewalttäter in den Fokus der Berichterstattung. Die wachsende Gewalt gegen Flüchtlinge werde hingegen kaum thematisiert. „Die deutschen Medien haben den gewalttätigen Einwanderer als Angstfigur neu entdeckt“, resümiert Thomas Hestermann, Journalismus-Professor an der Hochschule Macromedia und wissenschaftlicher Leiter der Studie: „Wie deutsche Zeitungen und das Fernsehen über Eingewanderte und Geflüchtete berichten“ (2017).

Über Ausländer wird zunehmend als Tatverdächtige berichtet – kaum aber, wenn sie Opfer sind


Wenn über Einwanderer oder Flüchtlinge berichtet wird, dann häufig im Zusammenhang mit Gewalt. Zwischen Januar und April 2017 berichteten deutsche Fernsehsender vier Mal so häufig über Gewalt nichtdeutscher Tatverdächtiger wie noch im Jahr 2014, obwohl der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger in der Kriminalstatistik innerhalb von drei Jahren lediglich um ein Drittel anstieg. Im Gegensatz dazu hat sich der Anteil der explizit als nichtdeutsch bezeichneten Opfer von Gewaltdelikten im Untersuchungszeitraum gegenüber 2014 halbiert – obwohl deren Zahl ebenfalls angestiegen ist, wie die Statistik des Bundeskriminalamtes zeigt. „Das führt zu einem verzerrten Bild und kann Vorurteile in der Bevölkerung anheizen“, macht der Medienwissenschaftler die soziale Brisanz seiner Erkenntnisse deutlich.
 
Bild-Zeitung berichtet am häufigsten über Ausländerkriminalität

Allen voran die Bild-Zeitung haben auch deutsche Tageszeitungen zwischen Januar und April 2017 über Ausländer häufig im Kontext von Kriminalität berichtet. So erwähnt die Bild-Zeitung Ausländer vor allem dann, wenn sie einer Straftat verdächtigt werden – das war in 64,3 Prozent der Berichte über Einwanderer oder Flüchtlinge der Fall. Süddeutsche Zeitung (39,5 Prozent) und Frankfurter Allgemeine Zeitung (38,2 Prozent) thematisieren seltener Kriminalität. In der taz geht es mit 18,6 Prozent der Artikel über Nichtdeutsche deutlich weniger um Straftaten. Insgesamt hatte Prof. Dr. Thomas Hestermann 283 Artikel aus den Monaten Januar bis April 2017 aus Süddeutscher Zeitung, Frankfurter Allgemeiner Zeitung, Bild und taz, sowie 67 TV-Beiträge aus den Hauptnachrichten und Boulevardmagazinen öffentlich-rechtlicher und privater TV-Sender ausgewertet.

Die Artikel und TV-Beiträge wurden dann für die Analyse ausgewählt, wenn sie von Eingewanderten und Geflüchteten, die in Deutschland leben, handeln.

Thomas Hestermann leitet seit zehn Jahren das Forschungsprojekt zur TV-Berichterstattung über Gewaltkriminalität in Zusammenarbeit der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen und dem Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen. Dessen vierte Analysewelle wurde um die Inhaltsanalyse von Zeitungen und den Fokus auf die Berichterstattung über Einwanderer und Flüchtlinge erweitert. Ein Bericht zur Studie erscheint im Medienmagazin journalist in der Augustausgabe (2.8.17).


Prof. Dr. Thomas Hestermann lehrt Journalismus an der Hochschule Macromedia.

Für die vorliegende Inhaltsanalyse hat Hestermann Medienberichte von Januar bis April 2017 analysiert.

Thomas Hestermann forscht zur TV-Berichterstattung über Gewaltkriminalität.

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