Вторник | 27. Апреля 2010
Hamburg

Dr. Gerhard Hofmann (rechts im Bild) mit MHMK-Prof. Stephan Weichert

Ehemaliger Chefreporter n-tv/ RTL besucht MHMK

Informationen aus erster Hand: Dr. Gerhard Hofmann gibt Nachwuchsjournalisten Tipps


Kohl, Schröder, Merkel: Gerhard Hofmann hat als Chefkorrespondent der Sender RTL und n-tv drei Kanzler und vier Legislaturperioden begleitet. Wie ambivalent die Berichterstattung über Politik oftmals ist, erzählte der 62-Jährige den Journalistik-Studierenden des zweiten Semesters bei seinem Besuch am Campus Hamburg der Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation. Im Seminar „Medien- und Kommunikationspolitik“ warf er gemeinsam mit den Studierenden einen Blick hinter die Kulissen des Hauptstadtjournalismus.

Vom Journalisten zum Berater
Über 30 Jahre war Hofmann als Politikjournalist für das Fernsehen tätig. Zuerst bei öffentlich-rechtlichen Anstalten, später für das Privatfernsehen. Heute arbeitet er als selbstständiger Berater und Lobbyist und hat eine eigene „Agentur Zukunft“ in Berlin. Die Studierenden befragten den prominenten „Seitenwechsler“ zu seinem anstrengenden Arbeitsalltag vor der Kamera im Zentrum der Macht. Und zu seinen Versuchen, trotz Zeitmangel im zunehmend bunten Nachrichtenprogramm von RTL die gebotene Seriosität zu wahren.

Bonn- Berlin
Auch ein Stück Selbstkritik war an diesem Tag dabei. Der gebürtige Franke ließ tief blicken: So gehöre es zu den besonderen Fähigkeiten eines Fernsehjournalisten, sich niemals Blöße zu geben. Wichtig sein, selbst dann allwissend zu wirken, wenn man von einer Sache keine Ahnung habe. Besonders gerne blicke er jedoch auf seine Jahre als Korrespondent am alten Regierungssitz Bonn zurück. Damals habe die Nachrichtenredaktion von RTL noch wie eine „verschworene Gemeinschaft“ zusammengehalten. Das sei in Berlin nicht mehr möglich gewesen. Hofmanns Kritik an der Verschwörung der Journaille zu Berlin, die er im Jahre 2007 in Form einer Buchveröffentlichung über den Hergang der Bundestagswahl von 2005 übte, sorgte nach seiner Aussage für Unruhe in Kollegenkreisen. Auch beim eigenen Sender. Gleichwohl sei es notwendig gewesen, die Abläufe aufzuschreiben und öffentlich zu machen.

Der Inhalt zählt
Gefragt nach den Zukunftsaussichten von jungen Hauptstadtjournalisten bewertete Hofmann vor allem das Desinteresse von vielen Nachwuchsjournalisten an der Politik als kritisch. Die fehlende Leidenschaft für politische Themen und Prozesse führe unter anderem dazu, dass nur noch der Hype zähle. Nicht aber der Inhalt. Er selbst habe sich schon seit seiner Schulzeit dafür interessiert, seinen Mitmenschen Inhalte zu vermitteln. Der ehemalige Fernsehreporter mahnte bei den Studierenden deshalb umso direkter Überzeugung und Engagement an. (Alexander Mohr)