CO2-Neutralität als Ziel für die Entwicklung

Der Klimawandel schreitet ungebremst weiter voran, was zum großen Teil den CO2-Emissionen geschuldet ist. CO2-Neutralität wird deshalb in allen Lebensbereichen angestrebt: Verkehr, Wohnen, Industrie, Ernährung und Lebensstil sollten dem Ziel angepasst werden, weniger CO2 auszustoßen und nachhaltiger zu sein.

Was sich dazu in den kommenden Jahren alles ändern muss, erfährst du hier.

Was versteht man unter CO2-Neutralität?

CO2-neutral zu sein bedeutet, genauso viel CO2 zu binden, wie ausgestoßen wird. Angestrebtes Ziel ist ein Gleichgewicht zwischen Emissionen und Abbau durch die Natur. Die Begriffe CO2-Neutralität und Klimaneutralität werden fälschlicherweise oft synonym verwendet. CO2-Neutralität betrifft alleine die CO2-Emissionen, berücksichtigt jedoch nicht den Ausstoß weiterer Treibhausgase wie Methan und FCKW. Um die Klimaerwärmung aufzuhalten und unseren Lebensraum zu schützen, braucht es also genaugenommen eine Treibhausgasneutralität.

Warum ist CO2-Neutralität so wichtig?

Die steigende CO2-Konzentration in der Atmosphäre lässt weltweit die Temperaturen ansteigen, denn CO2 speichert Wärme. Hitzewellen mit Tageshöchstwerten über 40 Grad, milde Winter ohne Schnee und Eis, auf der einen Seite Dürreperioden, auf der anderen Seite Überschwemmungen, die ganze Dörfer zerstören – das Klima spielt durch die fortschreitende Erderwärmung längst verrückt. Seit 2015 sind die CO2-Werte so hoch wie nie zuvor, und die Folgen sieht jeder an den sich häufenden Umweltkatastrophen. Im Pariser Klimaabkommen von 2015 verpflichteten sich 195 Staaten, den Klimawandel einzudämmen und die Weltwirtschaft klimafreundlich umzugestalten. Angestrebtes Ziel ist es, die Erderwärmung im Optimalfall unter 1,5 Grad zu halten.

Ein Gleichgewicht zwischen CO2-Ausstoß und -Abbau ist also unerlässlich, um eine weitere Erwärmung zu verhindern. Noch besser wäre natürlich eine negative CO2-Bilanz, also noch mehr Kohlenstoffdioxid zu binden als ausgestoßen wird. Bhutan hat als erstes Land der Welt eine negative CO2-Bilanz erreicht. In Europa ist Dänemark absoluter Spitzenreiter unter den Ländern, die am meisten für den Klimaschutz unternehmen. Die Hauptstadt Kopenhagen soll sogar schon 2025 klimaneutral sein. Deutschland hat sich bis 2045 folgende Klimaziele im Vergleich zu 1990 gesetzt:

bis 2030:

Reduktion der Treibhausgas-Emissionen um 65 Prozent

bis 2035:

Reduktion um 77 Prozent

bis 2040

Reduktion um 88 Prozent

bis 2045

Reduktion um 100 Prozent

Wie erreiche ich CO2-Neutralität?

Um die Umwelt zu schützen und die Klimaerwärmung zu bremsen, müssen wir in allen Lebensbereichen darauf achten, unseren CO2-Fußabdruck zu minimieren, bestenfalls durch CO2-Neutralität gar keinen zu hinterlassen. Den eigenen CO2-Fußabdruck kannst du über Online-Rechner ermitteln. Größere Unternehmen lassen sich in Sachen Nachhaltigkeit meist beraten, da die Berechnung recht kompliziert sein kann. Um CO2-neutral zu werden, gibt es zwei Strategien:

Reduktion oder Vermeidung der eigenen CO2-Emissionen

In erster Linie sollten Unternehmen überlegen, wo und wie sich CO2 vermeiden lässt. Können erneuerbare Energien genutzt werden? Hilft es, die Räumlichkeiten besser zu isolieren, um weniger Energie zu verschwenden? Wo lässt sich bei Versand und Transport CO2 einsparen? Eine Umrüstung auf Photovoltaik oder energieeffizientere Maschinen kostet zwar anfangs Geld, doch langfristig macht sich die Investition nicht nur durch ein besseres Gewissen und Image bezahlt, sondern auch durch sinkende Energiekosten.

Kompensation durch CO2-Zertifikate

Ist die Verringerung der CO2-Emissionen nicht ausreichend umsetzbar, gibt es die Möglichkeit CO2-Zertifikate zu erwerben. Diese Zertifikate sollen den eigenen CO2-Fußabdruck ausgleichen, indem der Erlös Klimaschutzprojekten zugutekommt. Meist werden damit Projekte in Entwicklungs- und Schwellenländern unterstützt, die beispielsweise die Wiederaufforstung voranbringen.

Gleichzeitig gilt es, die sogenannten natürlichen Senken zu fördern. Wälder und Moore sind wahre Kohlenstoffspeicher und bauen CO2 auf natürliche Weise ab. Diese wertvollen Ökosysteme müssen geschützt und weiter ausgebaut werden.

Ziel CO2-Neutralität für Unternehmen

Deutschland hat sich das Klimaziel gesetzt, bis 2045 treibhausgasneutral zu sein. Nach 2050 wird sogar eine negative CO2-Bilanz angestrebt. Unternehmen müssen deshalb langfristig ihre komplette Produktion klimaneutral gestalten und möglichst nach allen Regeln der Nachhaltigkeit handeln. Um CO2-Neutralität zu erlangen, sollten folgende Maßnahmen umgesetzt werden:

Energie

Solarenergie, Wasserkraft und Windenergie ersetzen Kohle, Öl und Gas. In den kommenden Jahrzehnten muss zur Energiegewinnung einiges umgerüstet werden: Windräder, Photovoltaik, Biomasse und Geothermie sind die Energieerzeuger der Zukunft.

Verkehr

Autos verursachen in den Städten einen großen Teil der CO2-Emissionen. Der Trend in der Automobilindustrie geht deshalb hin zum Elektroauto. Durch den Elektroantrieb senken sie zumindest im Stadtverkehr den CO2-Ausstoß. Doch auch die Produktion muss in Zukunft nachhaltiger werden. Gleichzeitig werden Radwege und Schienenwege ausgebaut, damit mehr Menschen ganz auf das Auto verzichten.

Reisen

Lange Autofahrten und Flugreisen sind ohne beträchtlichen CO2-Ausstoß nicht machbar. Deshalb geht hier der Trend zu Reisen mit der Bahn und Urlaub in Nachbarländern oder gleich innerhalb Deutschlands. Reisen sollten generell nur auf das Nötigste beschränkt sein. Businesstrips können inzwischen auch CO2-sparend durch Online-Meetings ersetzt werden.

Industrie

Bei der Produktion diverser Güter wird eine Menge an CO2 in die Luft geblasen. Auch hier sollte zunehmend auf erneuerbare Energien umgestellt und gleichzeitig ein achtsamer Umgang mit Ressourcen angestrebt werden.

Immobilien

Ab 2030 sollen in der EU nur noch klimaneutrale Neubauten entstehen. Bestandsbauten sollen bis 2050 klimaneutral umgebaut werden. Laut EU-Kommission sind Gebäude für 40 Prozent des Energieverbrauchs und mehr als ein Drittel aller Treibhausgase in der EU verantwortlich. Das soll sich durch mehr Energieeffizienz und ressourcenschonende Bauweisen in Zukunft ändern.

Landwirtschaft

Für landwirtschaftliche Betriebe gelten die Ziele, Tierbestände zu reduzieren, Methanemissionen aus Gülle durch Vergärung in Biogasanlagen zu verringern und weniger Düngemittel einzusetzen.

Veranstaltungen

Bei der Organisation von Veranstaltungen muss ebenfalls ein Umdenken in Richtung Nachhaltigkeit stattfinden. Hybrid-Events oder rein virtuelle Events reduzieren Emissionen alleine durch das Einsparen der Anreise der Teilnehmer /innen.

Wie kann ich im Alltag CO2-neutral werden?

Natürlich ist jeder Einzelne gefragt, seinen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Deshalb sollte jeder auch im Alltag darauf achten, möglichst CO2-neutral zu leben. Diese Maßnahmen sind leicht umzusetzen und leisten einen wichtigen Beitrag zur Eindämmung der Emission von Treibhausgasen:

Mobilität

Öffentliche Verkehrsmittel oder Fahrrad ersetzen das Auto. Viele Besorgungen sind mit dem Auto vielleicht bequemer, können jedoch der Umwelt zuliebe genauso gut mit dem Rad getätigt werden. Wer regelmäßig in die Uni oder in die Arbeit radelt, hat gleich noch eine Sporteinheit absolviert. Auch Reisen in ferne Länder hinterlassen einen enormen CO2-Fußabdruck und sollten vermieden werden.

Wohnen

Heizung, Isolierung, energieeffiziente Haushaltsgeräte – in den eigenen vier Wänden lässt sich einiges einsparen. Wer die Wahl hat, kann auf Ökostrom und Photovoltaikanlagen setzen.

Ernährung

Der Trend geht zur veganen Ernährung, denn Fleisch und tierische Lebensmittel verursachen hohe Methanemissionen. Wer nicht ganz auf ein Steak oder Käse verzichten möchte, reduziert den Konsum und kauft die Ware am besten vom nahegelegenen Bauernhof oder in Bio-Qualität.

Konsum

Kaufen und wegwerfen war gestern. Klamotten, Elektrogeräte, Haushaltsgegenstände, Möbel – überlege bei jedem Einkauf: Brauche ich das wirklich? Wurde das Objekt nachhaltig produziert? Wie lange wird es halten? Bedenke, dass jedes Produkt, das nicht hergestellt werden muss, CO2 und Müll reduziert.