Dr. von Haunerschen Kinderspital München

Medien für die „Child-Life-Specialists“

Beschreibung

Kinder im Krankenhaus, Familien im Ausnahmezustand. Für die erkrankten Kinder bedeutet das eine massive, meist mehrdimensionale Verunsicherung. Einige nehmen ihre Krankheit als Beschädigung wahr, andere haben große Schmerzen. In jedem Fall vermissen die Kinder ihr Zuhause und fühlen die tiefe Sorge der Eltern.

Im Dr. von Haunerschen Kinderspital kümmert sich seit dem Jahr 2020 unter der Leitung von Dr. Varinka Voigt ein Team von „Child-Life-Specialists“ um die psychosoziale Gesundheit der Kinder. Unterstützung erhielten sie von Studierenden der Hochschule Macromedia. Unter Leitung von Prof. Kristina Kern und Wolfgang Sussitz entwickelten die Designerinnen und Designer verschiedene Medienprodukte, die den jungen Patientinnen und Patienten den Zugang zur Krankenhaussituation erleichtern und ihnen helfen sollen, ihr eigenes Erleben zu verarbeiten.

Design und Healthcare: Mediale Unterstützung für die „Child-Life-Specialists“
Die Arbeit der Studierenden konzentrierte sich auf drei Teilprojekte:
Konzeption und Gestaltung eines Achtsamkeits-Tagebuchs für die Patient:innen und ihre Familien. Ziel ist, die Kinder bei der Benennung ihrer Empfindungen zu unterstützen und ihnen dadurch eine positive Verarbeitung zu erleichtern.
Entwicklung einer kindgerechten Raumgestaltung und Gestaltung von kindgerechten Raumelementen in Untersuchungsräumen, Patientenzimmern und Aufenthaltsräumen. Ziel ist, dass die Kinder sich einfacher im Krankenhaus zurecht finden und spielerisch mit der Krankenhausumgebung auseinandersetzen können.
Konzeption und Erstellung eines altersgerechten Aufklärungsvideos am Beispiel der „gastroenterologische Endoskopie“. Ziel ist, den Kindern ein intuitives Verstehen anstehender Untersuchungen zu ermöglichen, um dadurch die Akzeptanz zu erhöhen und Ängste zu zerstreuen.

Arbeitsschritte und Ergebnisse

Das Projekt durchlief die im Designprozess typischen Phasen von Designbrief, qualitativen Interviews und iterativem Gestaltungsprozess, ehe die Studierenden am Ende des Semesters folgende einsatzbereite Medien vorstellen konnten.

Raumgestaltung: Entstanden ist eine Handreichung für das von Haunersche Kinderspital, in der die neu entwickelten Gestaltungselemente katalogisch aufgeführt werden. Sie ermöglicht den Stationen, ihre spezifischen Lösungen bausatzartig zusammenzustellen – je nach räumlichen Gegebenheiten und Mobiliar.
Student:innen: Lea Molnar, Julia Haas

Wandpuzzle: Die magnetischen Wandpuzzles korrespondieren mit den Bildwelten des Raumgestaltungsteams. Die Umrisse der zu puzzlenden Tiere sind als hellgraue Flächen an den Wänden erkennbar. Die Puzzleteile sind in die Farbwelt der Station integriert und können von wartenden Kindern eingesetzt werden. Dabei gibt es zwei Schwierigkeitsstufen.
Student:innen: Enya Kweta, Sande Fleischer

Interior: Um die Akzeptanz des Patientenzimmers zu verbessern, haben die Studierenden ein flexibles System farbiger Designelemente für die Krankenhausbetten entwickelt. Die Druckmuster wurden auf wiederstandsfähige, gut zu reinigende Stoffe gedruckt und können von den Patient:innen individuell ausgewählt werden. Zudem gestalteten die Student:innen ein Wimmelbild für die Trennwände, die auf der Intensivstation häufig zwischen den Patentienbetten stehen. Mit den auf robuste, gut zu reinigende Folien aufgedruckten Motiven bieten sie den bettlägerigen Kindern Ablenkung.
Student:innen: Alessia Zanotti, Amelie Henninger, Johanna Vielsmeier

Begleitheft: Das Begleitheft ist eine Mischung aus Tagebuch, Achtsamkeitsübungen, Spielen, Mandala und Meditation. Alle Inhalte wurden von den Studentinnen eigens erstellt und gestaltet. Das Begleitheft ist eine Kombination aus einem Ordner, dessen Farbe und Etikett gewählt werden kann, und aus Einzelblättern der jeweiligen Kapitel (wochenweise aufgebaut). Das ermöglicht einen variablen Nachdruck und Auswahl. Mandalas und Spiele wurden für die Altersgruppen ab 6 und ab 12 Jahren entwickelt. Angegliedert an das Begleitheft wurden Stempel für Untersuchungen gestaltet, die den Ärzt:innen an die Hand gegeben werden sollen. Patient:innen können damit Stempel für ihren Untersuchungs-Pass sammeln, der im Begleitheft abgeheftet werden kann.
Student:innen Begleitheft: Beatriz Pacheco Moreira Lima , Katharina Sturm
Studentin Stempel: Tanja Heinrich

Erklärvideo: Kinder können durch die kindgerecht illustrierten Charaktere „Dede und Ding“ erfahren, wie die Untersuchung der „Magen-Darm-Spiegelung“ bei ihnen durchgeführt wird. Das Video soll das gängige „Aufklärungsblatt“ ablösen. Bei den Dialogen wurde auf eine kindgerechte Sprache und Sound geachtet. Die Sprecherin der „geschlechtslosen“ Detektiv:in ist ein Kind, um hier eine direkte Verbindung zu den Patient:innen herzustellen. Vom Drehbuch, Storyboard, Framestyle bis hin zur Animation wurden alle Inhalte von den Studierenden selbstständig erarbeitet.
Student:innen: Tina Do, Pascal Hartmeier, Leonardo Zaspel Bastos

Für Studierende wie Lehrende der Hochschule Macromedia bedeutete die Zusammenarbeit mit den Child-Life-Specialists eine gleichermaßen beglückende Erfahrung.

Das Schöne: die Arbeit der Studierenden soll fortgesetzt werden. So sind weitere Kooperationen zwischen dem Dr. von Haunerschen Kinderspital und der Hochschule Macromedia geplant. Zudem soll die Weiterentwicklung der Erklärvideo-Reihe durch ein Stiftungsstipendium gewährleistet werden.

Studiengang
Studienrichtung

Praxispartner

Dr. von Haunerschen Kinderspital München