Dienstag | 30. Januar 2018

„Wir brauchen in der Gesellschaft mehr Fehlerkultur – auch im Journalismus“


Zeitungssterben, Auflagenschwund und mediale Depression sind häufige Begriffe, um eine „vermeintliche Krise des Journalismus“ zu beschreiben, dabei befände sich heute die Bedeutung von Journalismus anhaltend im Aufschwung, erklärte Frank Überall. Der Vorsitzende des Deutschen Journalistenverbandes (DJV) war auf Einladung von Journalistikprofessorin Marlis Prinzing am Kölner Campus der Hochschule Macromedia Gast im Medien- und Wirtschaftsethikkurs.


von Raphael Markert | Journalistik-Student | Macromedia Campus Köln

Seit 2015 ist Überall Vorsitzender des Berufsverbands DJV. Der studierte Politologe und Buchautor arbeitet zudem als freier Journalist. Marlis Prinzing sprach ihn aus wirtschafts- und medienethischer Perspektive zunächst auf das vor neun Jahren letztlich durch Fehlleistungen eingestürzte Kölner Stadtarchiv an. Damals war Überall einer der ersten vor Ort, die berichteten und recherchierten, nun, Mitte Januar 2018 begann der Gerichtsprozess, bei dem auch Hintergründe des Unglücksfalles aufgearbeitet werden sollen. Überall analysiert: „Damals ist viel falsch gemacht worden. Wir brauchen in der Gesellschaft mehr Fehlerkultur – auch im Journalismus.“ Eigene Fehler zu erkennen, zu verbessern und zudem mit Mut und Sorgfalt an Themen heranzugehen, sei für Journalisten besonders wichtig. Dies sei eine ganz wesentliche Haltung für ausgebildete, professionelle Berichterstatter, die sie oft rasch unterscheidbar macht von Amateur-Berichtern sowie mit der Vorstellung aufräumen, Journalismus sei in der Krise. Überall: „Das Zeitungssterben, wie es immer wieder proklamiert wird, gibt es so aber gar nicht.“ Die Gewinnmargen der Verlage seien zwar zurückgegangen. Doch zeige sich, dass sich die meisten Blätter nach wie vor bestehen können. Die „Bestimmung“ des Journalisten bleibe nach wie vor wesentlich für die Demokratie. Und Journalisten müssten auch bei Themen, die sie selber betreffen, kritisch sein.

Das bekräftigte er auch, als Marlis Prinzing ihn auf das von Bundesjustizminister Heiko Maas engagiert vorangetriebene neue Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NDG) ansprach. Sie bezeichnete dieses als auch international betrachtet überfälligen Ansatz, um auch auf die widersprüchlichen Handlungsweisen von Plattformen wie Facebook und Twitter hinzuweisen. Denn diese wollten gerne als Verteilkanäle auftreten, haben aber mit Medienunternehmen vergleichbaren Einfluss auf die öffentliche Meinung ohne sich den branchenüblichen Kodizes unterzuordnen. Marlis Prinzing räumte aber auch ein, dass das Gesetz sicher an einigen Stellen nachgebessert werden könne. Überall fokussierte dabei in der Diskussion mit den Studierenden den Punkt der Pressefreiheit, und zwar am Beispiel der Twitter-Accounts der AfD-Politikerin Beatrix von Storch sowie des Satiremagazins „Titanic“. Twitter begründete die Sperrung letztlich mit der Anwendung des NDG.
Im Kurs war man sich rasch einig: So wichtig die Kontrolle und Eindämmung von Hassverbreitung über Internet und soziale Medien ist, so dürfe diese nicht auf Kosten der Presse- und Meinungsfreiheit erfolgen.
Überall verwies darauf, dass sich der Bundestag auch als Folge des Nachdrucks seines Verbands in den nächsten Monaten nochmals mit dem Gesetz beschäftige. Für den DJV-Vorsitzenden belegt dies auch, dass Engagement sich letztlich lohne.


Mehr zum Journalistik-Studium an der Hochschule Macromedia:
- Journalismus
- Fashion Journalismus
- PR & Corporate Communication
- Sportjournalismus


Prof. Dr. Frank Überall ermunterte die Journalistik- und Medienmanagement-Studierenden zu einem offenen Umgang mit Fehlern und diskutierte mit ihnen, warum gerade heute guter und mutiger Journalismus gebraucht wird.

Telefonische Studienberatung: 0800 6227663345

Unsere kostenlose Infoline für alle Fragen zur Studienwahl. Montag bis Freitag: 10.00 - 18.00 Uhr

Wir freuen uns auf viele Besucher.
Gerne mit Freunden und Eltern.
Einfach vorbei kommen.

Am besten vorher anrufen und Termin
mit der Studienberatung vereinbaren.
Campusführung ist mit dabei

  • München 089 544151-0
  • Stuttgart 0711 280738-0
  • Freiburg 0761 442266
  • Köln 0221 31082-0
  • Hamburg 040 3003089-0
  • Berlin 030 2021512-0
Icon Kontakt per Whatsapp zur Hochschule Macromedia
WhatsApp nutzen

1. 0176 15098602 eingeben
2. Als Kontakt speichern
3. Über WhatsApp Fragen stellen

Montag bis Freitag
10:00 - 18:00 Uhr

Icon Rückruf von der Hochschule Macromedia anfordern
Rückruf vereinbaren
Alle Leitungen waren besetzt oder der gewünschte Ansprechpartner war im Gespräch? Kein Problem.

Wir rufen gerne zurück. Einfach Formular ausfüllen und Wunschtermin eintragen. Wir melden uns.
 
 


Rückruf vereinbaren