Dienstag | 05. Februar 2019

Mehr Vielfalt im Film - Ringvorlesung mit der deutsch-türkischen Regisseurin Verena S. Freytag

Nach Veröffentlichung des ersten BVR-Regie-Diversitätsberichts 2013, welcher Gender, Alter und Nationalität in der deutschen Film- und Fernsehregie analysierte, kam es zum Aufschrei: Sind die deutschen Film- und Fernsehproduktionen ein Spiegel unserer gesamt- gesellschaftlichen Realität? Dazu fand am Mittwoch, den 23.01.19 am Campus der Macromedia Hochschule Köln eine Ringvorlesung und Diskussion mit der Regisseurin Verena S. Freytag statt.

von Kirsten Wehr/ Regie - Studentin / Macromedia Campus Köln

Das Schöne an Filmen ist, das alles möglich ist und wir die unterschiedlichsten Charaktere, Welten und Denkweisen kennenlernen können.
„Vielfalt im Film hängt aber auch von der Vielfalt der Filmemacher ab“, erklärt Regisseurin Verena S. Freytag („KARAMUK“, „ABGEBRANNT“) im Studio der Hochschule Macromedia. Der Raum ist mit Studierenden und DozentInnen gefüllt, viele nicken zustimmend.

Sie erzählt von ihren Erfahrungen in der Filmwelt und von dem Moment in dem sie feststellte, dass auffällig viele der Frauen, mit der sie die Filmschule abschloss, einige Jahre nach dem Studium schon nicht mehr in der Branche tätig waren. Als sie nach Zahlen recherchierte und keine fand, wollte sie selbst der Sache auf den Grund gehen. Zusammen mit weiteren Kolleginnen sammelte sie Zahlen für fundierte Statistiken und musste feststellen: die Vielfalt in der deutschen Filmlandschaft ist noch erschreckend homogen.
Von allen Absolventinnen der deutschen Filmschulen sind ca. 50% Frauen. 7% dagegen arbeiteten tatsächlich später im Beruf, erläutert sie ihre Erkenntnisse. Der Anteil der Männer hingegen, die in der Filmbranche arbeiten erhöht sich im Vergleich zu den männlichen Absolventen. Das liegt unter anderem daran, erklärt Freytag, dass bspw. in den Filmfördergremien zum größten Teil Männer sitzen - die sich oft für die Stoffe entscheiden, die ihrer Denkweise ähneln oder mit denen sie sich identifizieren können. Da bleiben Drehbücher, die Themen behandeln, die sich eher an Frauen richten oft außen vor, da sie die Geschmäcker der Produzenten nicht bedienen können.

Drei Jahre lang recherchierte Freytag mit weiteren Regisseurinnen ehrenamtlich zum Thema Gleichberechtigung in der Filmbranche und gründete daraufhin ProQuote Regie, der später ProQuote Film wurde - ein Verein für die Erhöhung des Frauenanteils in allen Bereichen der Filmproduktion. Männer seien einmal besser vernetzt, oft besteht gar keine Chance für Frauen dieses Netz zu betreten oder ein eigenes Netzwerk aufzubauen, sagt Freytag. Daher müsse es eine Frauenquote geben. Denn auch das Budget der Filmförderung oder der öffentlich-rechtlichen Anstalten wird aus Steuergeldern gezahlt, das von der gesamten Gesellschaft abgegeben wird.

In der oft erhitzten Debatte um diese Themen spricht Freytag erfrischend ruhig und diplomatisch darüber - und besonders mit fundierten Statistiken. Es ginge ihr in der Sache nicht darum, dass „Frauenstoffe“ besser oder „Männerstoffe“ schlechter wären, sondern vor allem um die Vielfalt und Fairness.
„Je mehr Filmemacher wir haben, die unterschiedlicher sind, desto vielfältiger wird unsere Branche - und das sollte jeden Zuschauer freuen, denn Film bedeutet auch seinen eigenen Horizont zu erweitern“.
Das bedeutet für Freytag nicht nur mehr Frauen hinter der Kamera, sondern mehr tragende Frauenrollen im Film, ebenso Charaktere, die eine unterrepräsentierte kulturelle Herkunft besitzen, in verschiedenen Milieus verankert sind, Charaktere, die nicht nur heterosexuell sind oder auch Charaktere mit Behinderung. So müssen ihrer Meinung nach auch mehr Vorbilder für junge Mädchen geschaffen werden - momentan ist nur einer aus fünf Helden in Kinderfilmen weiblich. Sie spricht aber auch das Defizit der Stereotypisierung männlicher Charaktere im Film an - nur starke Männer, die ihre Emotionen nicht zeigen dürfen.
Freytag schließt ihren Vortrag mit einem Wunsch an die Studenten ab: „Erkennt die Darstellung von Stereotypen, reflektiert, ob ihr nur Gesehenes reproduziert und brecht Rollenmodelle - für mehr Vielfalt im Film!“

Mehr zum Filmstudium an der Hochschule Macromedia:
(https://www.macromedia-fachhochschule.de/bachelor-studium/film-fernsehen.html)

- Fachrichtung Kamera
- Fachrichtung Postproduktion
- Fachrichtung Produktion
- Fachrichtung Regie
- Fachrichtung Film Directing | EN

 

 


Bei der Diskussion kam die Frage auf, ob es in der Filmbranche noch zu viel Stereotype und tradierte Rollenbilder gibt.

Bei der Diskussion kam die Frage auf, ob es in der Filmbranche noch zu viel Stereotype und tradierte Rollenbilder gibt.

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