Interview mit Milan Klesper

Hochschule Macromedia

Was bedeutet für Sie der Begriff "Studieren 2.0"?

Der Begriff steht für ein neugedachtes Modell des Studierens, für eine längst überfällige, pixelgetragene Revolution in der Hochschulwelt. Kennzeichnend für das „Studieren 2.0“ ist der Einzug der Digitalisierung in bisher teilweise verstaubte Hochschulstrukturen. In vielen Punkten findet eine Loslösung von räumlicher Präsenz und ein Umdenken in puncto Arten und Wege von Wissensvermittlung an Studierende statt. Die Coronapandemie hat viele negative Folgen für die gesamte Bevölkerung. In der Hochschulwelt sorgt sie jedoch nun für den bislang von einigen Hochschulen verschlafenen Digitalisierungswandel.  

Während viele private Universitäten in dieser Hinsicht schon vermehrt Ressourcen eingesetzt und gute Grundlagen geschaffen hatten, war für eine Vielzahl von öffentlichen Hochschulen das Internet nach wie vor noch das einst von Angela Merkel postulierte „Neuland.“ Durch die Lockdowns und die damit einhergehende Schließung der Universitäten und Fachhochschulen waren alle Bildungseinrichtungen von heute auf morgen zum Abweichen von alten Pfaden und Einlassen auf neue digitale Konzepte gezwungen, wenn sie einen längerfristigen Lehrbetriebsstillstand vermeiden wollten. Das hat in der ganzen Nation den Weg für Vorlesungen und Prüfungen am heimischen Laptop geebnet. 

 

Wir schreiben das Jahr 2017: Unterscheidet sich das Studieren mehr zu einem Studium heutzutage oder dem Studieren vor 50 Jahren?

Vor 50 Jahren war Papier noch das ultimative Speichermedium. Mitschriften einer Vorlesung waren unerlässlich, um im Studium auf dem Laufenden zu bleiben. Die Kommunikation und Vernetzung der Studierenden fanden im direkten Kontakt statt. Im Jahr 2017 gab es an vielen Stellen schon digitale Strukturen, wenn auch zurückhaltender Natur – einige Studieninhalte konnten über Online-Wege aufgerufen werden, an den meisten Hochschulen gab es ein zentrales Prüfungsportal und Dank sozialer Medien waren die Studierenden digital gut untereinander vernetzt. Diese Kommunikationsstrukturen formten sich jedoch oftmals aus studentischer Eigeninitiative. Das Studieren im Jahr 2017 unterscheidet sich so gesehen mehr von dem Studieren vor 50 Jahren als von der heutigen Studienwelt.  

Vieles von damals zu heute – egal ob vor 50 Jahren oder vor vier Jahren – ist jedoch ähnlich. Im Kern geht es um die optimale Vermittlung von Lehrstoff von Dozierenden an Studierende. Nur die Art der Wissensvermittlung, die Kommunikationswege und die Speichermedien haben sich gewandelt. Aus dem Notizbuch ist eine computerbasierte Mitschrift geworden, der wissenschaftliche Diskurs hat sich vom Kursraum in Online-Arbeitsgruppen verlagert und die alltägliche Kommunikation läuft viel über Chats und Videokonferenzen, anstatt immer von Angesicht zu Angesicht. 

 

Welche Tipps können Sie Studierenden und solchen, die es werden wollen, geben? Wie gelingt das "Studieren 2.0"?

Ein Studium mit hohem Digitalisierungsgrad bietet viele Vorteile, zum Beispiel räumliche Unabhängigkeit und Kostenersparnisse, wenn Studierende nicht mehr am Studienort wohnen müssen, um an Lehrveranstaltungen teilnehmen zu können. Es hat allerdings auch Potenzial, Distanzen zwischen den Studierenden aufzubauen. Nicht nur räumlich, sondern auch menschlich. Ein Studium lebt jedoch vom wissenschaftlichen Austausch, vom Aufeinandertreffen vieler verschiedener Ansichten, von gegenseitiger Horizonterweiterung. Daher ist es wichtig, trotz räumlich getrennter Online-Vorlesungen den Kontakt zu Kommilitoninnen und Kommilitonen zu suchen und sich untereinander auszutauschen sowie sich über den Kontakt zu Dozierenden auch für die Zukunft gut zu vernetzen.  

Ein weiterer Punkt, der vermutlich eher die Generation Y und junge Skeptiker/innen betreffen wird: Es ist wichtig, offen für digitale Neuerungen zu sein und diese zunächst zu testen, bevor ein Urteil gefällt wird. Ein Abweichen von einem bisherigen Weg muss nicht zwangsläufig eine Verschlechterung bedeuten, sondern kann viele Prozesse auch vereinfachen und ganz neue Möglichkeiten schaffen. Dazu sollte auch eine gute Portion Eigeninitiative und Selbstmotivation parat gehalten werden. Wie bereits vorher erwähnt, schaffen digitale Lehrformate Freiheiten für die Studierenden. Dies kann in vielen Fällen sehr positiv sein, in manchen Fällen jedoch auch eine Herausforderung darstellen. 

 

Welche Möglichkeiten der Weiterentwicklung und Chancen sehen Sie für Hochschulen und Universitäten aktuell?

Fachhochschulen und Universitäten können mit Online-Formaten noch mehr Studieninteressierten einen akademischen Weg ermöglichen. Die Studierendenzahlen müssen nicht mehr zwangsläufig von den räumlichen Kapazitäten abhängen. Studieninteressierte, die nun an die Hochschulen nachfolgen, sind Digital Natives. Sie kennen das Internet wie ihre „Hoodietasche“ und haben im Großen und Ganzen nur wenig Schwierigkeiten, sich in bisher unbekannten digitalen Umgebungen zurechtzufinden. Vielmehr sind sie es nicht anders gewohnt und schätzen die Freiheiten der Online-Welt.  

Die Digitalisierung bietet zudem eine Bühne für neue Lehrformate und E-Learning-Angebote. So können beispielsweise Inhalte mittels eines Podcasts transportiert oder ein Online-Quiz zur Überprüfung des eigenen Lernstandes angeboten werden. Darüber hinaus schafft ein höherer Digitalisierungsgrad des Studiums noch bessere Voraussetzungen und Möglichkeiten hinsichtlich eines Austauschs und der Zusammenarbeit der Universitäten untereinander – auf nationaler Ebene, aber auch im internationalen Zusammenspiel. Im Zuge der Globalisierung rückt die Welt gefühlt immer näher zusammen. Wieso sollte sie das nicht auch im universitären Kontext tun? 

 

Wenn Sie einen Ausblick in die Zukunft wagen: Wie schaut das Studienmodell der Zukunft aus?

Auch langfristig werden sich Bildungseinrichtungen hinterfragen müssen, um vom Zahn der Zeit verschont zu bleiben. Muss ein Student oder eine Studentin vor Ort in einer Vorlesung mit 300 Menschen sitzen, um die elementaren Lerninhalte erfassen zu können? Ist es notwendig, für ein anderthalbstündiges Tutorium 50 Kilometer zu pendeln? Ist es sinnvoll, dass verpasste Kurse nur mithilfe von Notizen der Mitstudierenden oder im folgenden Semester nachgeholt werden können? Zuvor bewährte Methoden werden ganz neu auf den Prüfstand gestellt und an den Wandel der Zeit angepasst bzw. optimiert. Das Studienmodell der Zukunft wird sich somit durch eine Kombination von digitalen Strukturen und Präsenzveranstaltungen auszeichnen.  

Auf unserem Portal Studieren-berufsbegleitend.de sehen wir, dass Nutzer sich vermehrt für ein Fern- oder Online-Studium interessieren. Aber auch das Thema Flexibilität wird eine größere Rolle spielen. Studierende sind heutzutage immer seltener „einfach nur“ Vollzeitstudierende. Viele sammeln bereits zwischen den einzelnen Vorlesungen in hohen Maße Berufserfahrung, engagieren sich ehrenamtlich, sind politisch aktiv oder durch besondere Lebensumstände in ihrer Studiengestaltung gefordert. Diesen Menschen werden zukünftig mehr Möglichkeiten gegeben werden können, ihr Studium an die individuelle Lebenssituation und die zeitlichen Kapazitäten anzupassen. Die Ausweitung von digitalen Strukturen wird es möglich machen. Das Studienmodell der Zukunft ist ein online/offline-Hybrid-Studium.

30.03.2021

Milan Klesper ist Gründer und Geschäftsführer der TarGroup Media und betreibt seit über 10 Jahren führende Portale zur Studieninformation wie Das-Richtige-studieren.de, Wegweiser-duales-studium.de und Studieren.at.

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